Dinge, die Sie nicht über die Ziegenzucht in Glis wussten
Albino und die 1,46 Meter: Weltrekord-Ehren
Die ZZG Glis sorgte international für Schlagzeilen. Der Ziegenbock „Albino“ aus der Züchterfamilie Fercher ist das lebende Symbol für diesen Stolz.
Der Rekord: Im Jahr 2022 pulverisierte Albino seinen eigenen Weltrekord und steigerte die Hornspannlänge um weitere 2 cm auf unglaubliche 1,46 Meter.
Die Akribie: Ein solcher Erfolg ist das Ergebnis obsessiver Vorbereitung. Laut Protokoll 2024 verbringen die Züchter fast eine komplette Woche damit, die Tiere zu waschen und zu kämmen, um sie für den großen Auftritt zu perfektionieren.
Die Feier: Der Weltrekord wurde nicht etwa in einer sterilen Messehalle, sondern bei einer feierlichen Diplomübergabe im Carnozet der Gemeinde Naters zelebriert, wo die Gemeindepräsidentin der Familie Fercher einen Wein-Dreierpack als Zeichen der Anerkennung überreichte.
Der Wolf als politisches Pulverfass: „Wann kommt die Politik zur Einsicht?“
In den Versammlungen der ZZG Glis ist der Wolf kein Tier, sondern ein Symbol für das Versagen der Fernen in Bern. Die Protokolle zeichnen ein Bild tiefer Frustration: Während die Ziegen auf der Belalp im Sommer noch verschont bleiben, wütet der Wolf im Frühjahr und Herbst und verursacht massive Schäden bei den Schafhaltern. Die Stimmung ist explosiv – der Präsident nutzt die Bühne der Generalversammlung regelmäßig für emotionale Appelle, bei politischen Abstimmungen geschlossen gegen den Wolfsschutz zu stimmen.
„Wir fragen uns alle, wann endlich die Politik zur Einsicht kommt und dem ganzen Treiben Einhalt gebietet.“ — Präsidentenbericht, Generalversammlung 2023
Die „Bienenstock-Konstante“: 25 Jahre Treue und die stillen Giganten
Die Mitgliederbewegung der ZZG Glis folgt dem „Bienenstock-Modell“: Während einzelne „Bienen“ (Züchter) den Stock verlassen, sobald sie keine Tiere mehr halten, sorgt die „Königin“ – der harte Kern aus Ehrenmitgliedern und Funktionären – für das Überleben des Schwarms. Ein markantes Beispiel für diesen Generationswechsel war das Jahr 2016, als René Zbinden nach 25 Jahren als Kassier sein Amt an Mirjam Imhof übergab.
Die Dienstältesten und unbesungenen Helden:
René Hischier: Seit 25 Jahren (Ehrung 2023) unermüdlicher Zuchtbuchführer und das Gedächtnis der Genossenschaft.
René Zbinden: Ein Vierteljahrhundert Hüter der Finanzen bis 2016.
Bernhard Studer: Seit 2020 Ehrenmitglied und als zuverlässiger „Toi-Toi-Lieferant“ eine unverzichtbare Stütze jeder Ortsschau.
Leo und Eliane Albert: Ehrenmitglieder, die seit Jahrzehnten das soziale Rückgrat bilden.
Robert Schmid: in diversen Ämtern seit 1979 und 8 Jahre in der Funktion als Experte des OZIV
Tradition unter Beschuss: Stimmrecht für „Ziegenlose“ und die technologische Gefahr
Die ZZG Glis zeigt sich progressiv, wo man es nicht erwartet: Bereits 2016 wurde auf Vorschlag von Robert Schmid beschlossen, Passivmitgliedern gegen einen Beitrag von 50 Franken das volle Stimmrecht zu gewähren. Dies sollte die Kameradschaft sichern, auch wenn der Stall leer steht.
Doch über dieser Idylle braut sich ein neues Unwetter zusammen: Die Einführung der „linearen Beurteilung“. Was nach technischer Neuerung klingt, ist für viele Züchter eine existenzielle Bedrohung. Die Verbände WZV und SN kämpfen erbittert gegen dieses System, da es die über 100-jährige Tradition der lokalen Ortsschauen zu beenden droht. Wenn die Beurteilung nur noch nach rein technokratischen Maßstäben im Betrieb erfolgt, stirbt das soziale Herzstück des Vereins – die öffentliche Schau.
Fazit: Quo Vadis, ZZG Glis?
Von handgeschriebenen Protokollen vor 2001 bis zum Einzug von CapraNet und der kompletten Vorstands Erneuerung im Jahr 2025 unter dem neuen Präsidenten Rinaldo Schnydrig hat die Genossenschaft eine enorme Transformation durchlaufen. Selbst menschliche Schwächen, wie die durch Umzugsstress verschollenen "Protokolle" der Jahre 2012/13, konnten den Kern nicht erschüttern.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Wird die Leidenschaft für die Ziegen ausreichen, um die Tradition gegen den dreifachen Druck von Justiz, moderner Technologie (lineare Beurteilung) und der Rückkehr der Raubtiere zu verteidigen? Die Chronik der ZZG Glis ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.
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